Agent 64: Spies Never Die kehrt bewusst zu den Regeln der N64 Shooter zurück, mit Auto Aim, missionsbasierten Zielen, lokalem Split Screen und Online Mehrspieler. Das passt gut zu Spielern, die Retro Design mit Wiederholungswert suchen, aber weniger zu allen, die moderne Bewegung, Checkpoints oder komplexe Entwicklung erwarten.
Veröffentlicht am 12. August 2026

Agent 64: Spies Never Die weiß genau, was es sein will. Der Retro First Person Shooter möchte sich wie ein verschollenes N64 Spionagespiel anfühlen, nicht wie ein modernes Spiel mit aufgesetztem Pixel Filter. Das wirkt erfrischend, wenn die alten Regeln greifen, und sperrig, wenn sie es nicht tun. Seit dem 11. August 2026 ist das Spiel auf Steam für Windows PC erhältlich. Es passt zu Spielern, die missionsbasierte Ziele, lokalen Mehrspieler und das erneute Spielen einer Karte auf höherem Schwierigkeitsgrad vermissen. Wer schnelle moderne Bewegung, großzügige Checkpoints oder eine stark erzählte Handlung braucht, findet hier eher Reibung als Komfort.
Die wichtigste Entscheidung betrifft das Schießen. Agent 64 nutzt Auto Aim und verzichtet auf Sprung und Ducken. Auch das moderne Anlegen über ein Visier gibt es nicht. Du bewegst dich zügig durch Räume, richtest dich grob auf ein Ziel aus und verlässt dich stärker auf Positionierung als auf pixelgenaue Mausarbeit. Dadurch ist das Spiel näher an GoldenEye 007 und Perfect Dark als an den üblichen PC Shootern mit Retro Optik.
Dieser Unterschied ist mehr als eine Stilfrage. In einem modernen First Person Shooter bilden Bewegung, Kopfschüsse und schneller Waffenwechsel oft die zentrale Prüfung. Agent 64 verlangt stattdessen, dass du einen Raum liest, die passende Waffe wählst und nicht offen stehen bleibst. Die einfachen Regeln machen gewöhnliche Wachen angenehm überschaubar, besonders wenn mehrere Gegner kurz hintereinander fallen. Sie zeigen aber auch die Grenzen des Konzepts. Es gibt keine Verbesserungen und keinen komplexen Charakteraufbau, der den Kampfstil verändert. Der Reiz muss aus der Begegnung selbst und aus einer besseren Route kommen.
Maus und Tastatur werden unterstützt, trotzdem stammt das Bediengefühl klar aus der Konsolenzeit. Eine unabhängige Besprechung empfand den Controller beim Zielen als weniger präzise und empfahl Maus und Tastatur. Für PC Spieler ist das ein wichtiger Hinweis. Agent 64 versucht nicht, jede alte Unbequemlichkeit zu entfernen. Das Spiel macht diese Unbequemlichkeit zum Teil seiner Identität.
Die Kampagne umfasst 14 Missionen mit Geheimagent John Walter und seinem Gegenspieler Dominic Pulp. Die Schauplätze führen durch Hochhäuser, Nachtclubs, Museen, Katakomben und verschneite Basen. Die Handlung bleibt bewusst leicht. Zwischensequenzen arbeiten mit Text statt vollständiger Sprachausgabe. Entscheidend ist daher die Aufgabenliste jeder Mission. Terminals hacken, Pläne stehlen, Geiseln befreien und lebend entkommen geben den Karten eine klare Struktur, ohne sie in eine offene Welt zu verwandeln.
Drei Schwierigkeitsgrade machen mehr als die Gegner härter. Auf höheren Stufen kommen zusätzliche Ziele und Bereiche hinzu. So gibt es einen echten Grund, eine bekannte Karte erneut zu spielen, statt nur einen Zahlenwert zu erhöhen. Verträge mischen Missionen mit Sonderaufgaben neu. Wer Bestzeiten schlägt, schaltet den Paradox Modus frei. Mehr als 70 Modifikatoren und Cheats bieten unter anderem große Köpfe, langsamere Geschosse, Entwaffnen im Nahkampf und kein Nachladen. Das ist eine sinnvolle Methode, eine kurze Kampagne in eine Sammlung von Prüfungen zu verwandeln.
Die Treue zum alten Design hat aber einen Preis. Unabhängige Eindrücke kritisieren fehlende Checkpoints, wenig Möglichkeiten zur Heilung und gelegentlich wenig überzeugende Gegner-KI. Ein gescheiterter Versuch schickt dich an den Anfang einer Mission zurück, während die Ziele auf höherem Schwierigkeitsgrad mehrere Anläufe verlangen können. Wer gern eine Karte lernt, bekommt einen Grund weiterzumachen. Wer nur die Geschichte sehen möchte, kann die Wiederholung als unnötig hart empfinden.
Agent 64 behandelt Mehrspieler nicht als kleine Zugabe. Die Kampagne lässt sich allein, zu zweit lokal im Split Screen oder mit bis zu vier Personen online im Koop spielen. Die Arena bietet lokale Partien für bis zu vier Spieler und Online Matches für bis zu acht Spieler. Bots können freie Plätze füllen. Deathmatch, Briefcase, Zone und zeitbasierte Challenges decken die bekannten Grundlagen ab. Eigene Regeln und Modifikatoren geben den Partien zusätzlichen Spielraum.
Das ist wichtig, weil die alte Shooter Formel ihre Stärke entfaltet, wenn die Regeln schnell verständlich sind und der Raum die Geschichte schreibt. Eine lokale Runde mit einfachen Waffen und absurden Modifikatoren kann länger im Gedächtnis bleiben als ein komplizierter Entwicklungsbaum. Die Grenze ist allerdings klar. Der Wert des Mehrspielers hängt davon ab, ob du Freunde mit derselben Lust auf dieses gemächliche Retro Tempo hast. Wer eine große dauerhafte Online Gemeinschaft sucht, wird hier nicht fündig.
Agent 64 passt besonders zu Fans von GoldenEye und Perfect Dark, zu Spielern mit Freude an kompakten Missionen und zu Gruppen, die lokalen Split Screen suchen. Auch wer lieber Ziele und Kartenkenntnis nutzt als ständig neue Bewegungstechniken, dürfte sich schnell zurechtfinden. Die PC Anforderungen bleiben niedrig. Steam nennt mindestens Windows 10 mit 64 Bit, 8 GB Arbeitsspeicher und eine GTX 1050 Ti.
Weniger passend ist das Spiel für alle, die vertonte Geschichten, automatische Heilung, moderne Zielmechanik oder ein großes Fortschrittssystem erwarten. Die ersten Bewertungen sind ermutigend. Zum Recherchezeitpunkt zeigt Steam 93 Prozent positive Stimmen aus 33 Nutzerbewertungen. Das ist ein gutes Startsignal, aber noch kein endgültiges Urteil. Wer einen deutlich schnelleren und moderneren Shooter sucht, findet mit unserer Review zu DOOM: The Dark Ages | Revelations eine ganz andere Richtung.
Agent 64: Spies Never Die funktioniert, weil es Nostalgie nicht auf niedrig aufgelöste Texturen reduziert. Das Spiel rekonstruiert Tempo, Missionsziele und die etwas sperrige Bedienlogik der Vorlage. Gleichzeitig sorgen mehrere Schwierigkeitsstufen, Verträge, Modifikatoren und Mehrspieler dafür, dass die Kampagne nicht nach einem Durchlauf erledigt ist. Der Preis dafür bleibt sichtbar. Die fehlenden Komfortfunktionen und die dünne Handlung werden nicht jedem gefallen. Für Spieler, die einen neuen N64 Spionageshooter und kein modernes Spiel mit Retro Dekoration suchen, ist Agent 64 eine der klareren Empfehlungen unter den aktuellen Indie Shootern.
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