OddFauna ist seit dem 2. Juni im Steam Early Access: eine aus Ton modellierte Sandbox mit Kreaturen, Terraforming, Farmarbeit und einem starken Kern – dein Zuhause wächst auf dem Rücken eines lebenden TerraBeasts.
Veröffentlicht am 14. Juni 2026
OddFauna: Secret of the Terrabeast kann man leicht unterschätzen, wenn man nur kurz über die Screenshots scrollt. Ja, es sieht niedlich aus. Ja, es gibt Farming, Crafting, kleine Kreaturen und einen weichen, handgemachten Look. Spannend ist der Early-Access-Start vom 2. Juni aber aus einem konkreteren Grund: OddFauna will die Cozy-Sandbox stärker wie ein Ökosystem wirken lassen, nicht nur wie eine hübsch dekorierte Spielfläche. Du stellst nicht bloß ein Häuschen neben ein Beet. Du baust auf dem Rücken eines lebenden TerraBeasts, formst das Gelände, siedelst Pflanzen und Tiere an und siehst zu, wie diese kleine wandernde Welt groß genug wird, um mehr Leben zu tragen.
Das ist eine bessere Grundidee als die nächste Liste aus Feldfrüchten, Werkzeugen und Möbeln. OddFauna hat diese vertrauten Bestandteile trotzdem, und im Early Access werden sie sicher nicht alle schon glatt ineinandergreifen. Aber der Kern ist ungewöhnlich greifbar: Laut offizieller Seite und Steam wurden Figuren, Gegenstände und Pflanzen aus Ton modelliert und von Hand bemalt, bevor sie ins Spiel übertragen wurden. Wer Cozy-Spiele mag, aber etwas Eigenwilligeres, Unordentlicheres und Lebendigeres sucht, sollte diesen kleinen Juni-Release nicht übersehen.
In OddFauna spielst du einen Astor, ein kleines Wesen, das auf dem Rücken eines TerraBeasts lebt. Die Grundschleife ist vertraut: sammeln, craften, einen Unterschlupf bauen, anbauen, fremde Gebiete erkunden und wilde Wesen zähmen beziehungsweise anfreunden. Der entscheidende Unterschied ist dein Zuhause. Es ist kein festes Grundstück am Rand eines Dorfes. Das TerraBeast beginnt klein, wächst durch Pflege und kann mit einem reicheren Ökosystem mehr Flora und Fauna tragen.
Dadurch bekommt die gewohnte Cozy-Arbeit mehr Richtung. Holz hacken und Beete anlegen ist nicht nur der Weg zur nächsten Werkbank, sondern Teil der Fantasie, einen kleinen Lebensraum aufzuziehen. Besonders wichtig wird deshalb das Terraforming. Die Steam-Seite beschreibt Flüsse, Seen, Berge und Felder, die du auf dem Rücken des TerraBeasts formen kannst. Unterschiedliche Umgebungen sollen wiederum unterschiedliche OddFauna anziehen. Wenn diese Beziehung zwischen Landschaft und Kreaturen im Spielverlauf trägt, hebt sich OddFauna deutlich von vielen Crafting- und Farming-Sandboxes ab, in denen Tiere vor allem Sammelobjekte oder Dekoration sind.
Hilfreich ist hier die PC-Gamer-Vorschau zur früheren Demo. Lauren Morton spielte eine kurze Fünf-Tage-Version, baute ein erstes Haus, pflanzte Gemüse, freundete drei Fauna an und nutzte unter anderem eine Schaufel. Gleichzeitig merkte sie an, dass manche Systeme noch mehr Erklärung brauchen. Genau so klingt ein markanter Early-Access-Titel: charmante Grundlagen, eine erinnerungswürdige Welt und ein Onboarding, das darüber entscheiden kann, wie lange Spieler dranbleiben.
Der handgemachte Stil ist wichtig, weil OddFauna ohnehin vom Formen eines physischen Ortes handelt. North Channel beschreibt die Welt als aus Ton modelliert und bemalt; PC Gamer ergänzt, dass Emma SanCartier die Assets sculptet und bemalt, bevor Cliff Mitchell sie scannt und animiert. Dadurch hat das Spiel eine kleine Werkstatt-Wärme, die man in Screenshots zwar sieht, aber erst im Zusammenhang richtig versteht.
Der Stil hilft auch, OddFauna aus der überfüllten Cozy-Ecke zu lösen. Viele aktuelle Lebenssimulationen setzen auf Pastellfarben, runde Menüs und süße Tiere. Die Kreaturen in OddFauna wirken eher wie kleine Objekte, die jemand wirklich in der Hand hatte. Das passt zur Idee, auf dem Rücken eines riesigen Begleiters ein Mini-Ökosystem zu kuratieren. Optik und Mechanik ziehen in dieselbe Richtung.
Das macht OddFauna nicht automatisch besser als sauberere, stärker polierte Cozy-Spiele. Aber es macht das Spiel einprägsamer. Wenn dir die sanfte Seltsamkeit von Hermit and Pig gefallen hat oder Grimshire interessant war, weil es gemütliche Routinen mit Überlebensdruck verbindet, dann liegt OddFauna eher auf der experimentellen Seite des Genres als beim sicheren Wohlfühl-Farming.
OddFauna ist seit dem 2. Juni 2026 auf Steam im Early Access. Die App-Daten nennen North Channel als Entwickler und Publisher; die Genres sind Adventure, Casual, Indie, Simulation und Early Access. Auf der Steam-Seite stehen Singleplayer, Steam Achievements, vollständige Controller-Unterstützung, Steam Cloud und Family Sharing. Eine Koop-Fantasie sollte man daraus nicht machen: Das hier ist als Solo-Sandbox zu betrachten. Der in den aktuellen US-App-Daten angezeigte Preis liegt bei 24,99 US-Dollar.
Die wichtigste Einschränkung ist der Umfang. Die öffentlichen Beschreibungen sprechen von Bergen, Wäldern, Grasland, Inselgruppen und verdorbenen Regionen, dazu Farming, Bauen, Kreaturen, Erkundung und Geländeformung. Early-Access-Spiele können sich stark verändern, wachsen oder vorübergehend unfertig wirken. GameGrin berichtete, dass der Start von Mai auf den 2. Juni verschoben wurde, weil das Team noch Fehler und Unebenheiten beseitigen wollte. Das klingt einerseits vernünftig, erinnert andererseits aber daran: Hier wird noch gebaut.
Am besten geht man OddFauna deshalb nicht als fertigen Stardew-Ersatz an. Sinnvoller ist der Blick auf eine lebende Sandbox mit eigener Handschrift. Wer heute schon eine lange, sauber ausbalancierte Progression erwartet, sollte weitere Updates und Spielerberichte abwarten. Wer gern Systeme ausprobiert, ein seltsames kleines Zuhause baut und sehen möchte, wohin die Ökologie der Kreaturen führt, kann gerade im Early Access einen Teil des Reizes finden.
OddFauna lohnt sich für Spieler, die Cozy-Games mögen, in denen die Welt auf Entscheidungen reagiert. Am besten passt es zu Menschen, die Farming und Crafting genießen, aber schnell gelangweilt sind, wenn daraus nur Routine wird. Die TerraBeast-Idee gibt jedem Feld, Fluss und Tier einen Platz in einem größeren Lebensraum, und der Ton-Look verleiht dem Ganzen eine persönliche Textur. Auch wer kleine, eigenwillige Teamprojekte, Kreaturenfreundschaften und langsame Sandbox-Ziele mag, dürfte hier richtig sein.
Interessant ist OddFauna außerdem für Spieler, die gern zwischen Genres pendeln. Wer an Lucid Blocks die Mischung aus Crafting und Erkundung mochte, findet hier eine weichere Variante. Wer bei Mewgenics auf merkwürdige Kreaturen und systemische Folgen anspringt, könnte ebenfalls neugierig werden. OddFauna ist deutlich sanfter, teilt aber die Freude daran, ein ungewöhnliches Regelwerk langsam zu begreifen.
Warte lieber, wenn dich unklare Tutorials, begrenzter Anfangsumfang oder sich verändernde Systeme schnell stören. Die Demo-Eindrücke von PC Gamer lobten den Charme, erwähnten aber auch, dass Bauen, Crafting und Pflanzen mehr Erklärung vertragen könnten. Das kann in der Early-Access-Version bereits besser sein, bleibt aber genau die Art von Problem, die ein gemütliches Spiel plötzlich fummeliger als entspannend wirken lässt.
Für den Moment auslassen solltest du OddFauna, wenn du Multiplayer, harten Überlebensdruck, tiefe Automatisierung oder eine vollständig ausgearbeitete Story-Kampagne suchst. Der Reiz liegt woanders: Materialien sammeln, Landschaft verändern, Kreaturen anlocken und ein Zuhause wachsen lassen. Wenn das zu sanft klingt, ist es das vermutlich auch.
OddFauna ist nicht spannend, weil es Farming oder niedliche Kreaturen hat; das haben viele Spiele. Spannend ist die Verbindung dieser vertrauten Tätigkeiten mit einem starken Bild: eine kleine Heimatwelt auf dem Rücken eines riesigen Wesens, bevölkert von Pflanzen und Tieren aus Ton, die auf die Umgebung reagieren sollen, die du erschaffst. Early Access verlangt Geduld. Aber die Idee hat genug Persönlichkeit, um Cozy-Sandbox-Fans einen genaueren Blick wert zu sein – besonders dann, wenn das nächste Wohlfühlspiel handgemacht, ökologisch und ein wenig seltsam sein darf.