Yoshio Nishimura, 30-jähriger Veteran von Capcom und Vanillaware, hat sechs Jahre in einem abgelegenen japanischen Bergdorf damit verbracht, über 300 Illustrationen für Veritas Tales: Witch of the Dark Castle zu zeichnen — ein Gamebook-RPG im Geist von Fighting Fantasy und Die unendliche Geschichte. Das Spiel erscheint am 9. Juli 2026 auf Steam; eine spielbare Demo ist bereits verfügbar.
Veröffentlicht am 22. Juni 2026
Manche Spiele brauchen ein ganzes Studio. Veritas Tales: Witch of the Dark Castle brauchte einen Mann, ein echtes Dorf und sechs Jahre stille Ausdauer. Yoshio Nishimura — ein 30-jähriger Veteran, der beim ursprünglichen Monster Hunter bei Capcom als Chief of Background Art tätig war, bevor er zu Vanillaware wechselte und an Odin Sphere, Dragon's Crown und 13 Sentinels: Aegis Rim mitwirkte — verließ die Studiowelt, zog in ein kleines Bergdorf im ländlichen Japan, wo er seine Felder bestellt, und entwickelte dort nahezu im Alleingang ein Gamebook-RPG.
Das Ergebnis erscheint unter seinem eigenen Indie-Label Digitalis Publishing (ジギタリス出版) und wird vom Publisher 15 Industry vertrieben. Es ist eines der stillen Highlights des Steam Next Fest Juni 2026 (15.–22. Juni). Eine spielbare Demo — die ersten rund 30 Minuten als einer von zwei wählbaren Protagonisten — war während des Fests verfügbar und wurde von Medien wie Game Informer und Rock Paper Shotgun als besonderer Fund hervorgehoben.
Veritas Tales: Witch of the Dark Castle ist ein Reading-style-Fantasy-Abenteuer — ein digitales Gamebook mit Würfelmechanik und Verzweigungen, das fest in der Tradition von Fighting Fantasy, Sorcery! und GrailQuest steht. Nishimura nennt außerdem Die unendliche Geschichte als wichtige Inspirationsquelle, und diese literarische, beinahe haptische Qualität spiegelt sich im schieren Umfang der handgefertigten Arbeit wider.
Das Spiel umfasst rund 15.000 Wörter Text und wird auf eine Spielzeit von über 20 Stunden geschätzt — verteilt auf die verschiedenen Verzweigungen. Man spielt einen von zwei Protagonisten, die durch Erishing navigieren, eine pestverseuchte Hauptstadt, in deren Zentrum ein finsteres Schloss mit einer rätselhaften Hexe steht. Begegnungen, Entscheidungen und Konsequenzen werden durch Würfelwürfe und Spielerentscheidungen bestimmt — klassische Gamebook-Struktur, veredelt durch Produktionswerte, die viele kleine Studios beschämen würden.
Die Zahlen verdienen einen Moment der Betrachtung: über 300 Illustrationen, jede einzelne von Nishimura selbst gezeichnet. In keiner Entwicklungsphase wurde generative KI eingesetzt. Zum Vergleich: Ein typisches illustriertes Gamebook aus der Fighting-Fantasy-Ära enthielt vielleicht 50–100 Bilder; Nishimura hat das Drei- bis Sechsfache davon allein produziert — und dabei auch noch Text, Design und Programmierung verantwortet.
Der Soundtrack stammt von Hitoshi Sakimoto und seinem Studio Basiscape — dem Komponisten hinter Final Fantasy Tactics, Vagrant Story und (in Anknüpfung an Nishimuras Vanillaware-Vergangenheit) 13 Sentinels: Aegis Rim. Für ein Solo-Indie-Projekt ist das eine ungewöhnliche Besetzung und ein deutliches Signal, wie ernst Nishimura seine Arbeit nimmt.
Das Projekt wurde erstmals auf der Indie Live Expo im April 2026 öffentlich gezeigt; ein Release-Date-Trailer folgte im Mai 2026 mit der Bestätigung des 9. Juli 2026 als Erscheinungstermin — exklusiv für PC via Steam (nur Windows). Die Steam-Seite listet als zentrale Features Einzelspieler-Modus, Maus-Only-Option und jederzeitiges Speichern. Unterstützte Sprachen sind Japanisch, vereinfachtes Chinesisch und Englisch.
Die Demo, die seit dem Steam Next Fest verfügbar ist, bietet einen echten Einblick in das Spielgefühl: verzweigter Text, Würfelmechanik und Nishimuras dichte, malerische Illustrationen sind von den ersten Minuten an präsent.
Gamebook-RPGs sind eine Nische innerhalb einer Nische, und solche in Solo-Entwicklung erreichen selten dieses Handwerksniveau. Veritas Tales: Witch of the Dark Castle verbindet eine Vita, von der die meisten Indie-Projekte nur träumen können — drei Jahrzehnte professionelle Art Direction — mit einer Produktionsphilosophie, die sich genuinen gegen den Strom stellt: handgezeichnet, menschengemacht, ungehetzt. Sechs Jahre in einem Bergdorf sind keine Marketingzeile. Das sieht man jeder Illustration an.
Wer die Fighting-Fantasy- oder Sorcery!-Bücher schätzt oder dem atmosphärischen, textlastigen Ende des RPG-Designs zugetan ist, sollte den 9. Juli 2026 im Kalender markieren.
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