Celestial Return Test – Noir-Cyberpunk-CRPG, bei dem Würfel entscheiden
Ein raues, comic-artiges Detective-CRPG, das Dialoge in riskante Würfe verwandelt – mit begrenzten Würfeln als Währung. Tolles Artwork und ein eindringlicher Soundtrack tragen ein kurzes, spannendes Rätsel, aber Vorsicht: Softlocks und ein paar Macken schleichen sich ein.
Ich stieg in Celestial Return ohne allzu große Erwartungen ein und fand ein kleines, verletztes Juwel, das mir wieder zeigte, warum ich Indie-CRPGs so mag. Metaphor Games schickt uns in die Netherveil City – ein Ort aus Neon, moralischem Dreck und einem Detective, der von Würfeln und Sturheit lebt. Das Spiel liest sich wie ein interaktiver Comic und spielt sich wie eine angespannte Point-and-Click-Ermittlung, bei der jeder Wurf zählt. Wer narrative Risiken mag, wird hier belohnt; wer für Entscheidungen bestraft werden will, sollte sich bereit machen, nachzudenken.

Auf dem Neongrat wandern
Celestial Return dreht sich mehr um Ermittlung als um Kampf; die meiste Zeit klickt man durch Orte, befragt NPCs und wühlt in Hinweisen auf einem schmalen Grat zwischen Gewissen und Verzweiflung. Man navigiert durch Comic-Panels, inspiziert Szenen und öffnet verzweigende Gespräche, bei denen viele Optionen Würfel verlangen, um zu gelingen. Würfel sind zugleich Ressource und Risiko: Man verdient, hortet und setzt sie ein, doch jeder Wurf verbraucht sie endgültig. Die Erkundung ist bewusst langsam – Räume verbergen Dokumente, visuelle Details und verschiebbare Panels, die das Worldbuilding nähren – das Spiel schiebt dich eher vorwärts, statt alle Geheimnisse gewähren zu lassen. Die Kapitel sind kompakt (drei Akte in der Release-Version), sodass das Tempo straff ist; man spürt Schwung, aber auch den Ärger über verpasste Chancen nach einem misslungenen Wurf.
Wenn Würfel über Schicksal richten
Das Würfelsystem ist das Herzstück und auf angenehme, harte Weise gemein: Entscheidungsoptionen mit mechanischem Gewicht sind selten trivial, und die Knappheit macht jede Wahl spannend. Verschiedene Würfeltypen bieten unterschiedliche Erfolgschancen und Effekte, sodass die Entscheidung, welchen Würfel man ausgibt, zu einem kleinen Meta-Spiel von Verlustaversion und Timing wird. Manche Szenen erlauben zu zocken, um tiefere Informationen zu erhalten, andere verlangen Würfel, um überhaupt eine vernünftige Antwort zu bekommen; das verleiht Gesprächen greifbare Einsätze, die viele visuell-narrative CRPGs nur versprechen. Mehrere Enden und subtile Verzweigungen belohnen Wiederspielen, wobei man schnell merkt, dass das Horten jeder Münze/Würfel oft keine gute Strategie ist, weil Gelegenheiten verschwinden. Es ist clevere Mechanik, die Aufmerksamkeit belohnt und mich oft vornüberbeugt am Bildschirm lässt.
Tintenkunst, Lärm und Performance
Optisch ist Celestial Return eine handzerschlagene Comic-Hybrid-Ästhetik – ein Mix aus Manga-Präzision und rohem US-Comic-Nerv – und sieht auf einem guten Monitor großartig aus. Panels, kontrastreiche Tusche und gelegentliche fotorealistische Einsprengsel lassen jede Szene wie eine Seite aus einer düsteren Anthologie wirken. Der Soundtrack ist aggressiv und knapp: Noir-Jazz, Cyber-Techno und Momente mit Death-Metal, die die Stimmung genau dann anziehen, wenn es nötig ist. Die Performance ist unter Windows meist stabil, aber die UI hat Macken: Cursor-Verhalten beim Controller, zu kleine Textskalierung an einigen Stellen und vereinzelte Abstürze oder Progress-Blocking-Fehler wurden berichtet. Barrierefreiheitsoptionen sind noch spärlich (nur Basis-Audio/Display), daher gibt es Reibung, wenn man größere Schrift oder andere Steuerung braucht. Trotz dieser Ecken und Kanten verkauft die Präsentation die Stimmung besser als reiner Text es könnte.

Celestial Return ist ein kompaktes, pointiertes CRPG mit markanter Optik und einem spannungsreichen Würfelsystem, das jede Unterhaltung mit Gewicht versieht. Technische Unebenheiten und die kurze Spieldauer trüben den Eindruck, doch Worldbuilding, Soundtrack und die wohlüberlegte Risiko-Mechanik rechtfertigen einen Blick – vor allem für Fans von Disco Elysium oder Citizen Sleeper. Kaufen, wenn du narrative Einsätze und Stil suchst; bei Angst vor Softlocks oder Zugänglichkeitsproblemen lieber kurz Patches abwarten.


















Vorteile
- Eindrucksvolles handgezeichnetes Comic-Artwork und einprägsamer Soundtrack
- Spannendes, bedeutungsvolles Würfelsystem, das Entscheidungen Gewicht verleiht
- Dichte Noir-Atmosphäre und überzeugendes Worldbuilding in kompakter Form
- Mehrere Enden und Wiederspiel-Anreize belohnen Experimente
Nachteile
- Kurze Kampagne; vereinzelt progress-blocking Bugs berichtet
- UI- und Controller-Unebenheiten, wenige Barrierefreiheitsoptionen
- Kann soft-locken, wenn Würfel schlecht verwaltet werden – Save-Scumming nötig
Spielermeinung
Spieler loben durchweg die Atmosphäre von Celestial Return: Rezensionen heben Artwork und Soundtrack als Hauptgründe hervor zu spielen. Backer nennen regelmäßig das Würfelsystem als Höhepunkt und loben, wie jeder Wurf echte Spannung erzeugt und durchdachte Entscheidungen erzwingt, statt Dialoge plump auszubrüten. Viele vergleichen das Spiel in Ton und Anspruch mit Disco Elysium oder Citizen Sleeper, weisen aber darauf hin, dass Celestial Return deutlich kürzer und schlanker ist. Häufige Kritikpunkte sind einzelne Abstürze, Probleme mit Textskalierung, verwirrendes Controller-Verhalten und die Möglichkeit eines Softlocks, wenn man Würfel falsch einsetzt. Trotz dieser Mängel berichten viele Backer, dass das Entwicklerteam schnell reagiert und bereits Patches einige Blocker gefixt hat. Wenn du narrative Entscheidungen mit Risiko magst und starken Art-Style schätzt, sagen Spieler: Das ist ein lohnenswerter, wenn auch kompakter Trip.




