Funnel Runners Test – Tornado-Überlebenschaos mit großem Potenzial
Ein intensives Koop-Suchspiel in einer auseinanderfallenden Stadt: Funnel Runners punktet mit Atmosphäre und Zerstörung, hat aber im Early Access wenig Progression und technische Macken. Für Freunde chaotischer Wettersimulationen einen Blick wert.
Ich bin in Funnel Runners eingestiegen und hatte eigentlich nur ein kleines Gimmick erwartet; rausgegangen bin ich mit verschwitzten Händen und einem Haufen witziger „Ich wurde aufgesaugt“-Geschichten. Das Prinzip ist herrlich einfach: Teile sammeln, euren Camper reparieren und einer Stadt entkommen, die von immer stärkeren Stürmen zerrissen wird. Bild- und Sounddesign verkaufen die Panik hervorragend – selten so viel Wucht für indiegünstiges Geld gesehen. Aber Early Access zeigt auch Schwächen: starke Atmosphäre und emergentes Chaos treffen auf eine dünne Progression und technische Probleme, die in der Community häufig genannt werden.

Dem Trichter entgegentreten
Das Gameplay von Funnel Runners ist auf dem Papier wunderbar simpel und in der Praxis nervenaufreibend. Man rennt aus der Ego-Perspektive durch Straßen, plündert Häuser nach Fahrzeugteilen, Treibstoff und Werkzeugen und passt seine Route ständig an, weil Stürme zufällig entstehen und an Stärke zulegen. Die Steuerung ist präzise, Gegenstandsinteraktionen (aufheben, tragen, einbauen) sind klar und im Team ist Splitting nicht nur möglich, sondern oft nötig – gerade auf höheren Schwierigkeitsgraden. Die Zeitbegrenzung ist hier das Wetter: Wenn die Trichter von kleinen Wirbeln bis zum EF5 anwachsen, werden Sicht, Physik und Gefahr immer intensiver. Es gibt kleine Minispiele für Reparaturen (Sicherungswechsel, Flüssigkeiten nachfüllen), die Spannung erzeugen, die bei Input-Lag aber manchmal als frickelig empfunden werden.
Wenn die Welt auseinanderbricht
Was Funnel Runners wirklich auszeichnet, ist das Wettersystem und die Zerstörung. Tornados erscheinen halb-zufällig, ihre Bahnen sind unvorhersehbar und Gebäude stürzen Stück für Stück ein – wodurch Loot-Spawns mitten in einem Durchlauf dauerhaft verschwinden können. Die Karte nutzt einen kachelbasierten Zufallsgenerator, sodass Stadtteile zwischen Sessions wechseln, was für Wiederspielwert sorgt. Die emergenten Momente – ein Kollege, der in einen Briefkasten geschleudert wird, oder ein letzter Sprint, während ein Haus zusammenbricht – sind Gold wert. Inhaltlich ist die Schleife jedoch eng: Bedingung für den Sieg ist das Reparieren und Starten des Vans, danach endet die Runde. Es gibt aktuell kein persistentes Meta-Progressionssystem (keine Freischaltungen, kein Leveling, keine variierenden Missionsmodi), was Wiederholungen nach ein paar Durchläufen eintönig macht.
Sound, Technik & raue Kanten
Technisch beeindruckt Funnel Runners, liefert aber auch Frustmomente. Licht, Partikel und Sounddesign sind für ein Indie-Spiel herausragend – Donner, Sirenen und Wind zwingen dich tatsächlich zu Pause. Die Performance schwankt: Auf einer Mittelklasse-GPU lagen meine Werte in ruhigen Momenten meist bei 80–140 FPS auf mittelhohen Einstellungen, aber Community-Meldungen und eigene Stresstests zeigen Framedrops auf ~30–45 FPS während großer EF4–EF5-Ereignisse oder wenn viele Physikobjekte aktiv sind. Mehrere Spieler berichten außerdem über Abstürze und Freezes, oft beim Laden oder beim Versuch, wieder beizutreten; aus der Community lassen sich Hinweise ableiten, dass einige Nutzer 1–3 Crashes in ihren ersten 5–10 Sessions erleben, und es gibt wiederkehrende Probleme mit Verbindungsabbrüchen und fehlender Reconnect-Funktionalität. Als Workaround hilft meist ein Neustart oder ein neuer Host; die Entwickler reagieren zwar zügig, aber die Probleme bestehen stellenweise fort.
Accessibility und Nutzerführung sind funktional, aber spärlich: Tastenbelegung ist rudimentär, eine Farbfehlerkorrektur fehlt, UI-Skalierung ist begrenzt und Items aufzuheben erfordert oft direktes Draufstellen, was nervig sein kann. Controller werden unterstützt, doch Timing-Minispiele leiden bei Input-Lag auf schwächeren Systemen. Insgesamt ist die Technik und Präsentation überzeugend, aber Stabilität und ein erweitertes Accessibility-Menü würden das Erlebnis deutlich verbessern.

Funnel Runners ist ein auffälliges Early-Access-Spiel: Wettersystem, Sounddesign und Koop-Chaos liefern Momente, über die ich Freunden immer wieder berichte. Für rund 9 US-Dollar ist das ein tolles Preis-Leistungs-Verhältnis und eine starke Basis, aber eben nur eine Basis – Inhaltsumfang, Progressionssysteme und Stabilität müssen noch ausgebaut werden. Wer kurze, intensive Koop-Sessions mag und mit Early-Access-Bugs leben kann, sollte zugreifen; wer auf Langzeit-Progression oder eine crashfreie, finale Fassung wartet, sollte Updates abwarten. Wertung: 7 – vielversprechend, aber Verbesserungen nötig.








Vorteile
- Hervorragendes Wetter- und Zerstörungssystem – sorgt für besondere, emergente Momente
- Starke audiovisuelle Atmosphäre für ein Indie-Spiel (Sound, Beleuchtung, Trümmer)
- Präzises Ego-Scavenging-Gameplay, chaotisch und spaßig im Koop
- Großer Gegenwert fürs Geld – ambitionierte Ideen zum kleinen Preis
Nachteile
- Dünne Progression: keine persistente Meta, wenige Ziele über das Van-Reparieren hinaus
- Technische Probleme: Abstürze, Reconnect-Probleme und Framedrops bei großen Stürmen
- Eingeschränkte Accessibility und UX (kleines Inventar, begrenzte Tastenbelegung, keine Farbkorrektur)
Spielermeinung
Die Spieler sind geteilter Meinung, aber in einem Punkt einig: Wetter und Optik funktionieren. Häufig liest man Sätze wie „die Stürme wirken lebendig“ oder „sieht aus wie ein 60-Dollar-Spiel“. Viele loben den Koop-Chaos-Faktor: Teamkollegen retten, durch Trichter geschleudert werden und hektische Van-Reparaturen liefern erinnerungswürdige Momente. Auf der anderen Seite bemängeln zahlreiche Spieler die dünnen Inhalte: Mehrere Reviews berichten, sie hätten nach dem Reparieren des Vans mehr erwartet („Ich dachte, wir fahren weiter, aber die Session endete“). Technische Beschwerden sind ebenfalls präsent: Community-Threads nennen Abstürze (häufig beim Laden) und Reconnect-Probleme, bei denen Spieler nicht ohne Neustart erneut beitreten können. Wer emergente Physik und nervenaufreibenden Koop mag, wird hier viel Spaß finden; wer eine strukturierte Langzeit-Progression sucht, sollte Updates abwarten.




