Liquidation Review – Ein klassisches RTS mit Herz
Ich habe Early Access von Liquidation gespielt — ein Retro-RTS mit Warcraft/StarCraft-Flair und eigenen Ideen. Ausgewogene Gefechte, heroenzentrierte Kampagne und ein leidenschaftliches Solo-Projekt lohnen den Blick.
Liquidation ist genau das RTS, bei dem man beim ersten Befehl grinst: Es zeigt offen seine Vorbilder, legt aber einige clevere Eigenheiten obendrauf. Auf dem sterbenden Planeten Veá treten drei unterschiedliche Fraktionen in kompakten, durchdachten Gefechten gegeneinander an, in denen sowohl Kommandeure als auch die Armeeaufstellung zählen. Wer mit Warcraft III oder StarCraft aufgewachsen ist, fühlt sich sofort heimisch — trotzdem schafft Liquidation eine eigenständige, liebevoll gemachte Indie-Version dieses fast verlorenen Genres. Ich habe die Early-Access-Version gespielt und war beeindruckt, wie spielbar und stimmig das Ganze schon ist.

Gefechte, die Nachdenken belohnen, nicht APM
Der Kern von Liquidation ist klassisches Echtzeit-Strategie-Spiel, das auf mittlere Gefechte, Armeeaufstellung und taktische Positionierung setzt — nicht auf hektisches Macro-Management oder unmenschliche APM. Man sammelt Ressourcen, baut Förderpunkte und Basen und stellt Einheiten mit klaren Rollen auf — Panzer, Nahkämpfer, Fernkämpfer und spezialisierte Unterstützer — die zusammen ein bewusst gestaltetes Schere-Stein-Papier-System bilden. Kommandeure sind ein großer Teil der Rechnung: Sie leveln, bekommen Fähigkeiten und sind narrative Anker in der Kampagne, sollen aber nie unaufhaltsame Solisten sein; ihre Stärken sind spürbar, ihre Schwächen ausnutzbar. Micro-Management zählt — das Timing einer Fähigkeit oder das Ketten von Betäubungen kann ein Gefecht kippen — ebenso wie Kartenkontrolle, kluges Scouting und die Sicherung von Quenrium-Standorten. Neutrale Camps zu säubern und das Terrain clever zu nutzen wird belohnt; Engpässe, Flankenangriffe und Höhenvorteile sind spürbar wichtig. Die Duelle machen Spaß, weil Fehler bestraft aber nicht endlos sind — Comebacks fühlen sich verdient an, nicht zufällig.
Wenn die Fraktionen wirklich unterschiedlich spielen
Eine Stärke von Liquidation ist, dass sich Twilight Crusade, Scourge Alliance und Legion trotz gleichen Grundgerüsts unterschiedlich anfühlen. Die Crusade ist gepanzert und auf Frontalkohäsion ausgelegt; die Scourge kombiniert Stammeswut mit Technik, um Überdehnungen zu bestrafen; die Legion bringt dämonische Massen und Flächenkontrolle, die andere Antworten verlangen. Einheiten-Upgrades und waffenmodifizierende Technologien lassen Matches sich wandeln: Was als vorhersehbares Early-Game beginnt, kann durch die richtigen Upgrades im Midgame ganz anders ausschauen. Kommando-Fähigkeiten neigen zudem zu bestimmten Spielweisen — manche Kommandeure belohnen Aggression, andere Reaktion und Verteidigung — sodass die Wahl eines Kommandeurs strategischer ist als bloß kosmetisch. In Early Access fehlen Luft- und Seeeinheiten, was strategische Ebenen reduziert, aber Kämpfe kompakt und lesbar hält: Man weiß immer, worum es auf dem Feld geht.
Technik, Stil und Schlachtklang
Optisch setzt Liquidation auf einen leserlichen, leicht altmodischen Stil, der Klarheit vor aufwändigen Shadern stellt, was ich sympathisch finde: Einheiten-Silhouetten, Ability-Effekte und UI-Feedback sind auch in hektischen Momenten gut zu überblicken. Die Performance ist auf modernen Rechnern stabil und läuft sogar auf älteren Laptops annehmbar, wobei einige Nutzer von hohen GPU-Temperaturen bei Frame-Locks berichten — das sollte man im Blick behalten. Der Soundtrack liefert epische, eingängige Momente, während Ambient- und Kampfsounds hier und da etwas spärlich wirken; dennoch geben Stimmeinsätze und musikalische Hinweise den Kommandeuren Charakter. Accessibility und QoL sind für ein Indie-EA überraschend gut: Manueller Speicherstand, verstellbare Spielgeschwindigkeit und UI-Skalierung sind vorhanden, brauchen aber noch Feinschliff und größere Schrift für manche Spieler. Insgesamt unterstützt die Präsentation das Gameplay: lesbar, funktional und mit einem Art-Style, der einem mit der Zeit sympathisch wird.

Liquidation ist ein herzliches, spielbares RTS, das die Kernfreuden des Genres schon jetzt liefert und zugleich deutlich Luft nach oben zeigt. Am meisten Spaß macht es Veteranen, die kampagnenorientierte, heldenfokussierte Gefechte vermissen, sowie Spielern, die taktische, gut lesbare Duelle lieben statt reiner Grafikpracht. Wer im Early Access einsteigt, unterstützt eine aktive Community und einen Entwickler mit klarer Vision — erwartet aber, dass vor Version 1.0 noch deutlich mehr Inhalt und Feinschliff nachgeliefert wird.















Vorteile
- Klassisches RTS-Feeling mit durchdachten modernen Anpassungen
- Drei unterschiedliche Fraktionen und kommandeurgetriebene Erzählung
- Gute Lesbarkeit der Optik und stabile Performance trotz Early Access
- Erstaunlich viel Politur und QoL-Features für ein Indie-Spiel
Nachteile
- Inhaltlich noch spärlich (nur sechs Kampagnenmissionen im EA)
- Derzeit keine Luft- oder Seeeinheiten und gelegentliche Pathfinding-Probleme
- Soundscape und Menüs könnten Feinschliff vertragen (und weniger Werbung)
Spielermeinung
Spieler, die Liquidation seit den frühen Demos verfolgen, loben es als Liebeserklärung an klassische RTS: Mehrere Reviews vergleichen die Kampagne mit Warcraft III und heben hervor, wie befriedigend Missionen und Heldenprogression wirken. Tester schätzen die solide Balance in Skirmishes und die Reaktionsschnelligkeit — Pathfinding und Einheitenverhalten werden oft als besser beschrieben als bei vielen modernen RTS, wobei einige Spieler gelegentliche Probleme mit Sammeleinheiten oder Pfaden melden. Die Community betont wiederholt, dass viel Arbeit von einem sehr kleinen Team oder sogar einer Einzelperson stammt, was Wohlwollen erzeugt und Unterstützungsbereitschaft fördert. Kritikpunkte sind UI-Politur, größere Schrift, Steam-Workshop/Mod-Support und mehr Kampagneninhalt; viele empfehlen das Spiel eher erfahrenen RTS-Fans als absoluten Neulingen. Kurz gesagt: Lob für Gameplay und Potenzial, Forderungen nach mehr Inhalt und QoL-Verbesserungen.




