Shards of Order Review – Ein düsteres Deck-RPG, das Zeit zum Spiel macht
Ein düsteres, handgefertigtes RPG, das Mana gegen einen Zeitzähler eintauscht und dich wie einen Uhrmacher denken lässt. Gemeinsames Deck, brutale Bosse und ein eindringlicher Soundtrack – ein Indie-Perlentipp.
Ich bin in Shards of Order gesprungen und habe nicht einfach ein weiteres Slay-the-Spire-Abenteuer bekommen, sondern ein merkwürdig dunkles CRPG mit Kartenkampf. Fardust tauscht Runden und Mana gegen eine sichtbare Zeituhr, die jede Karte verschiebt – eine kleine Idee, die jeden Kampf umdreht. Wer düstere Fantasy, genaue Planung und Musik mag, bei der man mitten im Kampf innehält, wird hier fündig. Es ist nicht immer gnädig, aber für langsames, überlegtes Spielen und Geschmack für finstere Erzählungen sehr lohnend.

Zeit meistern als Waffe
Der Kampf in Shards of Order fühlt sich an wie Schach mit Metronom. Jeder Gegner zeigt einen Countdown bis zur nächsten Aktion, und jede Karte, die du spielst, verschiebt diese Ticks vor- oder zurück. Es gibt keine Mana-Leiste und keine traditionellen Runden; stattdessen gibst du Zeit aus, und Zeit ist eine gemeinsame Ressource, die du manipulieren musst, um zerbrechliche Verbündete am Leben zu halten und offene Gegner zu bestrafen. Das verändert Deckentscheidungen: starke Angriffe können einen Countdown auslöschen, dich aber später exponieren, während kleine Verzögerungs-Karten einen ankommenden Schlag verschieben. Du führst drei Helden, nutzt aber ein gemeinsames Deck – jede neue Karte verändert die Ziehwahrscheinlichkeiten für die gesamte Gruppe. Das zwingt zu Entscheidungen, die ich nicht erwartet hatte zu lieben – baue ich das Deck für einen Schadensträger oder balanciere ich es, damit der Heiler öfter zieht? Bosskämpfe werden zu spannenden Tempo-Puzzles statt zu Knopfdrückerei.
Gemeinsames Schicksal: Deckbau als Partymanagement
Was Shards of Order besonders macht, ist die Verflechtung von Ausrüstung, Fähigkeiten und Karten. Waffen und Rüstungen fügen dem gemeinsamen Deck einzigartige Karten hinzu, also sind Items mehr als nur Zahlen – sie sind Designentscheidungen. Jeder Held hat einen Skill-Tree und eine persönliche Handlung, wodurch meine Entscheidungen außerhalb des Kampfes das Kampfgeschehen spürbar veränderten. Dialogentscheidungen und Quests schenken mitunter exklusive Karten, sodass Rollenspiel und Erkundung taktisch belohnt werden. Das Spiel ist kein reiner Roguelike: Du levelst, behältst Ausrüstung und machst sinnhaften Fortschritt. Dieser Anti-Roguelike-Ansatz sorgt dafür, dass schlechte Runs dich nicht auslöschen; stattdessen passt du die Strategie an, lernst aus Fehlern und kehrst klüger zurück – etwas, das ich nach zu vielen frustrierenden Toden zu schätzen wusste.
Eine albtraumhafte Bühne: Kunst, Sound und Performance
Die Präsentation ist eine der stärksten Säulen von Shards. Die handgezeichneten Hintergründe und Charakterillustrationen setzen stark auf Grimdark-Ästhetik – Verfall, zusammengenähte Haut und unheimliche Gesichter – und das passt zur Stimmung, ohne nur Effekthascherei zu sein. Der Soundtrack und die Chorstücke (im Supporter’s Pack enthalten) sind eindringlich und heben oft einen zähen Kampf in einen dramatischen Moment. Das Sounddesign verleiht Treffern Gewicht und macht Countdowns bedrohlich; manchmal habe ich alles ausgeschaltet, weil die Spannung zu real wurde. Die Performance auf Windows war in meinen Tests solide, mit nur ein paar kleinen Text-Glitches, die in der Community erwähnt wurden. Die Barrierefreiheitsoptionen sind überschaubar, aber die klare UI für Countdowns, Karteneffekte und Zielanzeigen hilft, die kognitive Last zu reduzieren.

Shards of Order ist ein ambitioniertes, mitunter hartes RPG, das Kartenkampf zu einer Studie über Tempo und Konsequenzen macht. Es ist ideal für Spieler, die Deckbuilder mögen, aber auch narratives Gewicht und taktische Tiefe suchen – hier stirbt man, lernt und passt sich an, statt sich durchzudrücken. Zum Preis, und besonders mit den Extras der Supporter-Edition, ist es eine leichte Empfehlung für Fans düsterer Fantasy und taktischer Planung.













Vorteile
- Innovatives, zeitbasiertes Kampfsystem, das Deckbuilding neu denkt
- Reiche, handgezeichnete Grimdark-Optik und eindringlicher Soundtrack
- Sinnvolle RPG-Systeme – Ausrüstung, Skilltrees und Entscheidungen zählen
- Supporter-Edition-Boni (Artbook, Soundtrack, Tarot) erhöhen den Wert
Nachteile
- Gelegentliche Unklarheiten in der UI bei Zielwahl und Planung
- Starke Schwierigkeitsanstiege und Beschwerden zu Balance/Progression
- Viele Texte und Lesepassagen – nicht ideal, wenn man müde ist
Spielermeinung
Spieler loben wiederholt die Atmosphäre, Musik und wie sich Story-Entscheidungen auf Deck-Optionen auswirken – viele Vergleiche fallen positiv zu Thronebreaker und teilweise Darkest Dungeon aus. Mehrere positive Reviews heben hervor, dass der Anti-Roguelike-Ansatz eine willkommene Abwechslung ist: Ausrüstung und Charakterfortschritt bleiben erhalten, Niederlagen lehren also statt alles zu löschen. Häufige Kritikpunkte sind Balance (Schwierigkeits-Spikes, Progressionskurve) und der Einfluss von Glück beim Ziehen; einige Spieler wünschen sich beständigere Fortschritte gegen das Skalieren der Gegner. Voice Acting und Animationen werden oft gelobt, wenn auch manche das Fehlen durchgehender Vertonung und gelegentliche Übersetzungsfehler bemängeln. Wer taktische, storylastige Deckbuilder mit hohem Schwierigkeitsgrad mag, wird hier wahrscheinlich viel Freude haben.




