Thick As Thieves Review — Ein roher, vielversprechender Koop-Schleichraub
Ein ehrlicher Blick auf OtherSides kompaktes Stealth-Heist: tolle Ideen, zwei Karten, nervige Timer — aber für 5 $ viel verzeihbar, besonders zu zweit.
Ich bin mit einer Mischung aus Vorfreude und Skepsis in Thick As Thieves gestartet — Warren Spector im Abspann weckt Erwartungen, und der Wechsel vom PvPvE-Konzept zur reinen Koop-/Solo-Fassung hat viele Spieler:innen nervös gemacht. Auf Windows bekommt man für den Preis einer billigen Mahlzeit zwei spielbare Diebe, ein paar Gadgets und genug clevere Level-Designs für einige spannende Runs. Es ist kein ausgereifter Thief- oder Dishonored-Nachfolger, liefert aber befriedigende Schleicheinlagen, komische Wachen-Momente und ein klares Fundament. Wenn du kurze Heists und das hektische Acht-Minuten-Dash zum Ausgang magst, dann trifft das Spiel einen Nerv — nur erwarte noch keinen Vollpreistitel.

Heists im Schatten von Kilcairn
Das Spiel dreht sich um kurze, fokussierte Heists auf zwei recht großen Karten in der alternativen 1910er-Stadt Kilcairn. Du spielst einen von zwei Dieben — die Spider mit Enterhaken und Beweglichkeitstricks oder die Chameleon, die sich kurzzeitig als NPC verkleiden kann — und näherst dich Zielen durch Schleichen, Ablenken oder Nutzung von Gadgets. Die Einsätze sind vertraglich: drei Missionstypen und 16 Verträge in einer kompakten Kampagne, die Improvisation belohnt statt Grind. Die Bewegung ist bewusst langsam: Ducken, ums Eck spähen und das Timing fühlt sich haptisch an, und dass der Enterhaken nachgeladen werden muss (kein Spam) ist eine clevere Designentscheidung, die triviale Fortbewegung verhindert. Ein strenger Timer — kurze Fenster und ein achtminütiger Extraktions-Countdown nach Hauptzielen — verwandelt Erkundung in ein Prioritätenrätsel. Praktisch mochte ich die hektischen Sprints zum Ausgang und das Luftanhalten, wenn eine Wache um die Ecke biegt; wer jedoch eher bedächtig schleichen will, wird den Timer als willkürlich empfinden.
Werkzeuge, Tricks und die Rauch-Schleife
Das Gadget-Set ist kompakt und stimmig: Slithersap zum Kurzschließen von Lichtern, eine Pickpocket-Fee für entfernte Schalter, Rauchbomben, um Sichtlinien zu brechen, und der sogenannte Diamant, der Gegner und Beute durch Wände hervorhebt. Dieser Diamant ist ein zweischneidiges Schwert — extrem nützlich, aber er nimmt in manchen Runs den Entdeckerreiz, weil man einfach alles sehen kann. Rauchgranaten sind ein weiteres kurzes Beispiel: so effektiv, dass sie oft als Rettungskarte dienen und andere Gadgets dadurch redundant erscheinen lassen. Die Hauntables — geisterhafte Wachen, die durch Wände gehen können — sind eine schöne Wendung und erzeugen Druck selbst in Verstecken, die sonst sicher wären. Ich mochte, dass Wachen Persönlichkeit in ihren Sprüchen und Patrouillen haben, aber die KI hat manchmal merkwürdige Blindstellen und ein kurzes Gedächtnis, wodurch spannende Verfolgungen in anti-klimaktische Resets enden können.
Kilcairns Stil und Technik
Visuell setzt das Spiel auf malerischen, farbenfrohen Stil, eher in Richtung Dishonored als auf rauen Realismus. Beleuchtung und Bildkomposition geben Räumen Charakter (ich gebe zu, ich habe länger als nötig eine schiefe Kronleuchter bewundert), und das Sounddesign — Wachen-Sprüche, entfernte Glocken, leise Fußschritte — sorgt stark für Atmosphäre. Zum Start bemängelten Spieler fehlende QoL-Optionen (keine Tastenbelegung, eingeschränkte FOV- und Sensitivitäts-Regler) und Motion-Blur-Probleme; die Entwickler reagierten schnell und patchten viele dieser Beschwerden. Trotzdem gibt es gelegentliche hakelige Momente: Clipping, merkwürdiges Pfadverhalten und ein paar Bugs, bei denen Wachen seltsam agieren oder Loot-Platzierung willkürlich wirkt. Die Performance auf meinem Windows-Rechner war insgesamt stabil, aber die Politur ist uneinheitlich: stellenweise großartig, an anderen Stellen rau — ein Eindruck, der zu einem Spiel passt, das starke Knochen, aber zu wenig Inhalt und Feinschliff hat.

Thick As Thieves ist ein rauer, sympathischer Heist-Titel mit erkennbarem Potenzial. Die Kern-Schleich-Mechaniken und die Koop-Spannung funktionieren in kurzen Sessions hervorragend, doch das Ganze wird durch wenige Karten, Balance-Probleme (Rauch/Diamant) und QoL-Lücken beim Start gebremst. Für den kleinen Preis und die Freude an ein paar angespannten Runs mit Freund:in ist es eine klare Empfehlung — wenn du weißt, dass du in ein Fundament investierst, das noch wachsen muss, und nicht in ein fertiges Meisterwerk.









Vorteile
- Knackige, angespannte Schleicheinsätze, die Improvisation belohnen
- Top Preis-Leistung — mehrere Stunden Spaß allein oder mit Freund:in
- Eigenständige Gadgets und Charaktere (Spider vs Chameleon) mit interessanten Kompromissen
- Kreatives Level-Design und ein charmant-malerischer Stil
Nachteile
- Sehr begrenzter Inhalt beim Start — nur zwei Hauptkarten
- Einige QoL-Mängel und technische Schwächen zum Release
- Rauch und Diamant können Herausforderungen trivialisieren; Balance nötig
Spielermeinung
Spieler loben das Stealth-Gefühl im Kern und die Koop-Momente — viele Reviews erwähnen gutes Kartendesign und spaßige Gadgets. Wiederkehrende Kritikpunkte sind: Das Spiel wirkt wie ein Überbleibsel eines PvPvE-Projekts (Features, die jetzt keinen Sinn mehr ergeben), fehlende Tastenbelegung-/FOV-Optionen zum Launch und die geringe Inhaltsmenge (zwei Karten, wiederholbare Verträge). In Community-Diskussionen wird oft der Preis als rettend genannt — für 5 $ verzeiht man Ärgernisse — aber viele fordern klarere UI, mehr Karten, bessere KI und weniger Dominanz von Rauch/Diamant. Wenn du Dishonored-/Thief-artige, angespannte Stealth-Momente und kurze, wiederholbare Heists mit Freunden magst, wirst du Thick As Thieves wahrscheinlich genießen; wer große, erzählerische Immersive Sims erwartet, sollte auf mehr Content warten.




