Pipistrello and the Cursed Yoyo Review – Ein GBA-Meisterwerk, das viel mehr Aufmerksamkeit verdient
Eine Fledermaus, ein bewusstes Yoyo und ein schuldengetriebenes Abenteuer durch vier kriminelle Stadtteile: Pocket Traps Pipistrello ist eines der einfallsreichsten Indie-Juwelen des Jahres 2025.
Pipistrello and the Cursed Yoyo beginnt mit einer Prämisse, die absurd klingt und diesen Ruf sofort rechtfertigt: Pippits Tante wird buchstäblich mit einem Yoyo verschmolzen, vier Bösewichte haben 'Mega Batteries' gestohlen, und der einzige Ausweg ist die Meisterschaft über ein bewusstseinsfähiges Spielzeug als Waffe und Fortbewegungsmittel zugleich. Das brasilianische Studio Pocket Trap hätte sich allein auf diesen Charme verlassen können, baute aber stattdessen ein gesamtes Action-Adventure rund um echte Yoyo-Tricks — über zehn an der Zahl, jeder mit einem eigenem mechanischen Nutzen — und verpackte das Ganze in eine Pixel-Ästhetik, die sich genau wie eine verlorene GBA-Cartridge aus dem Jahr 2003 anfühlt. Auf OpenCritic erhielt es das 'Mighty'-Prädikat mit einem 89-Punkte-Schnitt und einer 98%-Empfehlungsrate, was es in die Top 1% aller bewerteten Spiele stellt. Steam-Nutzer bezeichnen es als 'locker GOTY-Material'. Beide Aussagen sind, nach einiger Zeit mit dem Spiel, schwer zu widerlegen.

Schleudern, Gleiten, Knobeln: Das Yoyo als Dreh- und Angelpunkt
Das Yoyo ist kein Gimmick. Das ist das Erste, was man über Pipistrello verstehen muss. Tricks wie 'Walk the Dog' — bei dem das Yoyo nach vorne schießt und Pippit über Wasser zieht — sind keine dekorativen Spielereien, sondern zentrale Fortbewegungswerkzeuge. Verschiedene Tricks eröffnen verschiedene Wege durch die vier Stadtteile (ein Einkaufsviertel, eine Industriezone, eine Geek-Convention und ein Sportviertel), jeder mit einem eigenen Crime-Boss und einer eigenen visuellen Identität. Nahezu jeder Raum in dieser über 1000 Bildschirme umfassenden Welt verlangt eine spezifische Lösung, viele bieten mehrere. Die Ideendichte pro Pixel ist schlichtweg beeindruckend: Dieses Spiel lässt keinen Raum wie eine sinnlose Durchgangslösung wirken.
Schulden, Badges und bewusste Kompromisse
Was die Progression interessant hält, ist das Vertragssystem. Upgrades werden nicht sauber verdient, sondern beim Kredithai finanziert — und Schulden bedeuten konkrete Nachteile: weniger Herzcontainer, reduzierte Stats oder andere Strafen. Das erzwingt echte Entscheidungen statt passiver Ansammlung von Stärke. Dazu kommen über 40 ausrüstbare Badges und mehr als 20 passive Upgrades, die echte Build-Vielfalt ermöglichen. Das Coin-Drop-on-Death-System (ähnlich wie Celestes Erdbeeren-Logik, aber etwas schmerzhafter) erzeugt Spannung, ohne unüberwindlich zu sein — zumal Pipistrello granulare Accessibility-Optionen bietet, mit denen Coin-Verlust, Fallschaden und Feindstärke individuell angepasst oder deaktiviert werden können. Das ist ein seltenes und begrüßenswertes Selbstbewusstsein: Das Spiel ist schwer genug, um befriedigend zu sein, und die Entwickler vertrauen den Spielern, ihren eigenen Schwierigkeitsgrad zu finden.
GBA-Nostalgie mit modernem Feinschliff
Der optionale Retro-Rahmenmodus, der das Spiel in einem falschen Game-Boy-Advance-Gehäuse inklusive fiktiver Plastikhülle präsentiert, ist eine wunderbare Geste für alle, die mit dieser Hardware aufgewachsen sind. Er ist rein kosmetisch, aber er zieht die Bit durch bis zum Ende. Der Kunststil hält auch ohne ihn stand: saubere, ausdrucksstarke Sprites mit einer begrenzten Palette, die mehr Storytelling leistet als viele moderne HD-Produktionen. Das eigentliche Ass im Ärmel von Pocket Trap ist jedoch der Soundtrack: Yoko Shimomura (Kingdom Hearts, Street Fighter II) trat als Gastkomponistin auf und verleiht der Musik ein Renommee, das perfekt zu den GBA-Ambitionen des Spiels passt. Das Ergebnis klingt wie etwas, an das man sich aus der Kindheit halb erinnert — was wohl das höchste Kompliment ist, das diese Ästhetik erhalten kann. Die Performance ist auf dem Steam Deck flüssig (Verified), obwohl vereinzelte Berichte über Frame-Drops auf dem PC darauf hindeuten, dass das Spiel technisch nicht völlig makellos ist.

Pipistrello and the Cursed Yoyo ist eines jener Indie-Spiele, bei denen man sich wünscht, das Wort 'unterschätzt' hätte durch Übergebrauch nicht all seine Bedeutung verloren — denn es trifft hier wirklich zu. Pocket Trap hat ein kompaktes, fantasievolles Action-Adventure rund um eine Mechanik gebaut, die sich wie ein eintöniger Witz hätte anfühlen können, und daraus eines der befriedigendsten Gameplay-Systeme des Jahres 2025 gemacht. Die Hitbox-Probleme und die magere Kampfvielfalt sind berechtigte Kritikpunkte, die man kennen sollte — aber sie stehen neben einem Puzzle-Design, das mit den besten Top-Down-Zelda-Titeln mithalten kann, einem Soundtrack mit echtem Renommee und Accessibility-Optionen, die viele größere Studios beschämen. Wer Zuneigung für die GBA-Ära oder für Action-Adventures mit echter mechanischer Tiefe hegt, dem ist dieses Spiel zum vollen Preis ohne Zögern empfohlen.








Vorteile
- Einfallsreiche Yoyo-Mechanik mit ĂĽber 10 echten Tricks, die sowohl als Kampf- als auch als Fortbewegungswerkzeuge dienen
- Herausragendes Rätsel- und Leveldesign mit über 1000 Bildschirmen — fast jeder Raum hat seine eigene Lösung
- Yoko-Shimomura-Gast-Soundtrack und optionaler GBA-Rahmenmodus sorgen für punktgenaue Retro-Atmosphäre
- Granulare Accessibility-Optionen und Steam Deck Verified — einladend, ohne Herausforderungen für diejenigen zu nehmen, die sie wollen
Nachteile
- Hitbox-Diskrepanz: Die Trefferzone des Yoyos ist klein, Pippits Hurtbox groß — was in Kämpfen zu echten Frustrationsmomenten führt
- Geringe Kampfvielfalt: Begrenzte Gegnertypen und ähnliche Angriffsmuster lassen Kämpfe repetitiv wirken, besonders für Rätsel-Liebhaber
- Trotz des Metroidvania-Looks setzt die Progression auf weniger als 3 klassische Backtracking-Fähigkeiten — Genreerwartungen könnten enttäuscht werden
Spielermeinung
Steam-Spieler sind mit ihrer Begeisterung nicht zurückhaltend: Formulierungen wie 'locker GOTY-Material' und 'Meisterklasse im Puzzle-Platformer-Genre' tauchen in den Reviews immer wieder auf, viele vergleichen das Spiel im gleichen Atemzug mit A Link to the Past und Celeste. Mehrere Rezensenten beschreiben es als 'im Grunde Celeste und A Link to the Past kombiniert, ohne Füllmaterial, purer Gameplay-Spaß' — hohes Lob, das die Rätsel-Dichte und das Trick-Verketten des Spiels weitgehend rechtfertigt. Ein wiederkehrendes Thema ist echtes Staunen darüber, wie wenig Mainstream-Aufmerksamkeit Pipistrello erhält: 'massiv unterschätzt' und 'warum redet nicht jeder darüber' sind gängige Aussagen. Brasilianische Spieler sind besonders stolz auf Pocket Traps Leistung, mehrere Reviews vermerken, dass 'das beste 2D-Zelda-ähnliche Spiel von einem brasilianischen Studio entwickelt wurde'. Auf der kritischen Seite sind die Hitbox-Frustration und die Coin-Loss-Mechanik die zwei häufigsten Beschwerden — beide werden auch von Spielern anerkannt, die das Spiel insgesamt lieben, und beide lassen sich über die Accessibility-Optionen abmildern. Der Steam-Deck-Support wird in mehreren Reviews positiv hervorgehoben als Zeichen dafür, dass die Entwickler sorgfältig über ihr Publikum nachgedacht haben.




